Brot ist das am häufigsten weggeworfene Lebensmittel in deutschen Haushalten. Jede Person wirft hierzulande knapp 10 Kilogramm Brot und Backwaren pro Jahr weg, das entspricht rund 14 Prozent aller vermeidbaren Lebensmittelabfälle. Bevor altes Brot entsorgt wird, lohnt ein zweiter Blick, denn die meisten Reste lassen sich noch sinnvoll verwerten.
Altes Brot entsorgen: Was wohin darf
Manchmal ist Verwerten keine Option mehr. Dann stellt sich die Frage, wie altes Brot richtig entsorgt wird.
Biomüll: Brot darf in die Biotonne, trotz seines Salzgehalts. Der Salzgehalt verteilt sich mit anderen Abfällen so weit, dass er bei der Kompostierung unerheblich ist. Zu beachten: Brot zieht unerwünschte Mitesser wie Mäuse und Ratten an, besonders wenn die Tonne nicht dicht schließt.
Bokashi: Wer einen Bokashi-Eimer hat, kann Brot bedenkenlos hineingeben. Das geschlossene System verhindert Schädlinge und fermentiert die Reste geruchsarm.
Kompost: Brot ist kompostierbar, aber nur bedingt geeignet für den offenen Gartenkomposter. Es fermentiert schnell, riecht und lockt Nager an. Wer trotzdem kompostieren möchte, sollte das Brot tief einarbeiten und mit trockenem Material abdecken.
Abgeben: Wer größere Mengen hat, kann bei Tierheimen oder Gnadenhöfen fragen. Die Fachleute dort wissen, an welche Tiere sie Brot verfüttern können. Für Wildtiere, insbesondere Enten und Wasservögel, ist Brot dagegen ungeeignet. Dazu weiter unten mehr.
Tipps: altes Brot verwerten
Grundsätzlich gilt: Altes Brot darf steinhart, aber nicht verschimmelt sein. Verschimmeltes Brot bitte vollständig entsorgen, nicht nur die befallene Stelle abschneiden, denn die Sporen sind unsichtbar und bereits weitergewandert.
Bei Saatenbroten oder Broten mit vielen Nüssen lohnt es sich, kurz daran zu riechen. Saaten und Nüsse enthalten Fette, die auch im getrockneten Zustand ranzig werden können. Deine Nase sagt dir ziemlich genau, wenn das der Fall ist: Es riecht nicht mehr nach Brot, sondern leicht säuerlich-eklig.
Schimmelfreies altes Brot trocknen und dann luftig und dunkel aufbewahren. Eine alte Keksdose oder ein Leinenbeutel gehen dafür ausgezeichnet.
Erst auffrischen, dann verwerten
Bevor altes Brot zur Verwertung wird, lohnt ein Versuch: Kruste kurz mit Wasser benetzen und das Brot für etwa zehn Minuten im Ofen bei 180 Grad aufbacken. Wer mehr Zeit hat, wickelt es für eine Viertelstunde in ein feuchtes Geschirrhandtuch und backt es danach auf. Das funktioniert am besten, solange das Brot noch nicht komplett ausgetrocknet ist.
Semmelbrösel
Helle Backwaren lassen sich wunderbar zu Semmelbröseln mahlen. Schon hat man einen Vorrat für die nächste Panade und muss im Supermarkt kein Geld mehr dafür ausgeben. Dunkle Brotreste funktionieren genauso, das kommt auf die eigenen Vorlieben an.
Altbrot
Der Begriff Altbrot wird bei Brotbäckern häufig verwendet. Das alte Brot wird gemahlen und in der Pfanne oder im Backofen geröstet, was zusätzliches Aroma gibt. Beim Brotbacken wird dieses gemahlene und geröstete Altbrot dem Teig als Brüh- oder Quellstück zugegeben: Bei weizenlastigen Teigen rund sechs Prozent der Mehlmenge, bei roggenlastigen Broten bis zu 20 Prozent. Mehr dazu hier im Back-Blog von René Dasbeck.
Das Altbrot gibt dem neuen Brot Aroma, Feuchtigkeit und eine bessere Haltbarkeit. Wer selbst Brot bäckt, hat damit eine perfekte Möglichkeit, nichts davon wegzuwerfen.
Brotsuppe
Vielleicht kennen einige von euch Brotsuppe. Ich erinnere mich gut daran, dass diese Suppe in meiner Kindheit gelegentlich gekocht wurde, wenn genug altes Brot vorhanden war. Meine Mutter machte sie mit Äpfeln und Rosinen, und wir streuten noch ordentlich Zucker darüber. Im Internet finden sich verschiedene regionale Rezepte dafür, es lohnt sich, einfach mal auszuprobieren.
Frikadellen
Altbackene Brötchen und altes Brot werden gern in Frikadellen mitverarbeitet. Insbesondere mageres Rinderhack wird so saftiger und lockerer, und das Brot hilft dabei, die Frikadellen zusammenzuhalten. Man kann aber auch gleich Brotfrikadellen machen und spart so Fleisch ein.
Und noch viel mehr
Aus altem Brot lässt sich noch viel mehr machen: Semmelknödel, Brotchips, Croûtons, Brotsalat oder -auflauf, Armer Ritter, Müsli und bestimmt noch weiteres. Wie wäre es mal mit einem Sizilianischen Altbrot-Pesto?
Mit einer alten Brotrinde kann man sogar seine Schuhe putzen.
Altes Brot als Dünger
Hefe und Sauerteig gelten als Wundermittel für den Garten und zur Beschleunigung des Komposts. Altes, geriebenes und eingeweichtes Brot funktioniert offensichtlich ebenso, ich habe das aber in meinem Garten noch nicht probiert, weil ich finde, dass ein so wertvolles Lebensmittel wie Brot besser zu neuen, leckeren Lebensmitteln verarbeitet wird, bevor es im Garten landet.
Wer für Garten und Balkon kostenfreien Dünger sucht, findet hier eine einfache Anleitung aus Wildkräutern, oder du nimmst Kaffeesatz.
Nicht an Wildtiere
Was man auf keinen Fall tun sollte: Brot an Wildtiere verfüttern. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass man Enten und andere Wasservögel damit füttern kann. Das ist falsch. Brot ist für diese Tiere zu salzig, quillt im Magen auf, hat keinerlei Nährwerte und kann zu ernsthaften Verdauungsstörungen führen. Bei Jungvögeln wachsen durch Fehlernährung sogar die Flügelknochen falsch, sodass sie nie fliegen können. Das Füttern von Wasservögeln ist in vielen Kommunen inzwischen ausdrücklich verboten.
Es soll möglich sein, altes, eingeweichtes Brot an Hühner zu verfüttern. Ich bin keine Expertin für Hühnerhaltung, aber wenn du Menschen mit Hühnern in der Nachbarschaft hast, frag einfach mal. Auch Tierheime oder Gnadenhöfe in der Nähe können manchmal dankbare Abnehmer sein. Die Fachleute dort wissen, an welche Tiere sie Brot verfüttern können.
Grundsätzlich empfehle ich, das wertvolle Lebensmittel Brot lieber selbst zu verwerten.
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