Ein Reel, eine Frau, ein Häufchen Erdbeerhütchen. Daraus macht sie eine Limonade. Beerig-frisch, fast wie Walderdbeere. Ich musste kurz innehalten.
Im Bereich Alles verwerten sammle ich genau solche Ideen: Reste sinnvoll einsetzen, statt sie reflexartig auf den Kompost zu werfen. Erdbeergrün wäre ein schöner Kandidat. Wäre.
Warum das Erdbeergrün zum Problem wird
Erdbeeren haben keine schützende Schale, sind extrem schimmelanfällig und werden im konventionellen Anbau deshalb intensiv gespritzt. Kelchblätter und Strunk sind dabei besonders belastet: Dort hält Feuchtigkeit am längsten, dort reichern sich Fungizid- und Insektizid-Rückstände an. Waschen hilft, löst das Problem aber nicht vollständig. Wer das Grün auskocht, löst diese Rückstände direkt ins Getränk.
Erdbeergrün verwerten macht also Sinn, aber ausschließlich bei Bio-Ware oder Früchten, bei denen du weißt, was draufkam, oder bei denen bestenfalls gar nichts draufgesprüht wurde. Ich nutze dafür die Erdbeeren aus dem eigenen Garten. Wer das nicht hat, lässt die Kelchblätter besser weg.
Der Pestizid-Kompass für Deutschland
Das Erdbeer-Dilemma ist kein Einzelfall. Bei welchen Sorten lohnt Bio wirklich, und wo ist es schlicht teurer ohne nennenswerten Unterschied? Im Netz kursieren die amerikanischen Listen des “Dirty Dozen” und der “Clean Fifteen”. Die basieren auf US-Daten und lassen sich nicht auf deutsche Supermärkte übertragen.
Ich habe deshalb die aktuellen Daten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ausgewertet. Das BVL untersucht regelmäßig Proben aus dem deutschen Handel gezielt auf Mehrfachrückstände, also den Mix verschiedener Spritzmittel auf einer einzigen Frucht. Das Ergebnis in zwei Einkaufshelfer verpackt: das Dreckige Dutzend und das Saubere Dutzend für Deutschland.
Das Dreckige Dutzend: Hier konsequent Bio kaufen
Bei diesen Sorten ist die Belastung mit Mehrfachrückständen am höchsten. Allen voran Johannisbeeren, Kirschen und Erdbeeren. Ich pflücke meine Blaubeeren auf einem Hof in der Nähe, der nicht spritzt. Aber das ist keine Lösung, die jede*r hat. Für alle anderen gilt: hier kein Kompromiss.
Das Saubere Dutzend: Hier kannst du sparen
Sorten wie Spargel, Zwiebeln oder Blumenkohl bringen von Natur aus wenig Rückstände mit, entweder weil sie robust sind oder weil dicke Schalen und Hülsen schützen. Beim konventionellen, regionalen Angebot kannst du hier bedenkenlos zugreifen. Das gesparte Geld steckst du besser in die Bio-Erdbeeren.