Früher stand bei mir eine Kapselmaschine in der Küche. Sah gut aus, war praktisch, und jeden Morgen eine andere Sorte, das fand ich wirklich gut. Heute steht sie im Keller. Ich bin damals selbst auf die Bequemlichkeit und das hippe Gefühl hereingefallen. Nicht zur Selbstkritik, sondern zur Erklärung: Kapseln funktionieren, weil sie echte Bedürfnisse bedienen.
Was die Industrie daraus gemacht hat
Das Prinzip ist dasselbe wie bei Druckern: Das Gerät ist günstig, der Nachschub ist teuer. Eine Kapselmaschine kostet wenig, der Kaffee ist teuer: Eine Nespresso-Kapsel kostet bis zu 51 Cent pro Tasse. Dazu kommt eine Verpackung für jede Portion, Aluminium, Plastik oder Papier, je nach System.
Was eine Tasse wirklich kostet
Wer drei Tassen täglich trinkt und auf Nespresso setzt, gibt dafür im Jahr rund 560 Euro aus. Nur für den Kaffee, ohne Gerät.
Was du im Jahr für Kaffee ausgibst
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Zum Vergleich: Bio-Fairtrade-Kaffeebohnen aus dem Supermarkt kosten pro Tasse etwa 13 Cent, Filterkaffee etwa 9 Cent. Wer beim Kilopreis zusammenzuckt, weil er höher ist als gewohnt, sollte einmal auf die Tasse herunterrechnen. Der Unterschied schrumpft erheblich.
Abgeschafft wegen des Mülls
Was ich an den Kapseln wirklich mochte, war die Sortenvielfalt. Jeden Tag etwas anderes. Abgeschafft habe ich sie trotzdem, wegen des Mülls. Eine Kapsel pro Tasse, das konnte ich eines Tages nicht mehr ignorieren. Was danach kam, war eine längere Suche nach einem Kaffee, der mir wirklich schmeckt. Die Sortenvielfalt der Kapseln vermisse ich nicht mehr.
Die Verpackung
Eine Kapsel pro Tasse bedeutet eine Verpackung pro Tasse. Bei drei Tassen täglich sind das über 1.000 Kapseln im Jahr, aus Aluminium, Kunststoff oder Papier.
Kaffeebohnen und gemahlener Kaffee kommen in Kunststofffolie. Eine Tüte für mehrere Hundert Tassen ist deutlich weniger Müll als Kapseln. Ob die Tüte recycelbar ist, steht auf der Verpackung.
Wer beim Röster kauft, hat manchmal bessere Optionen. Viele Röstereien füllen in reine Papiertüten oder bieten Nachfüllsysteme an. Wer seinen eigenen Behälter mitbringt, zahlt oft weniger.
Bei Kapseln sieht es gemischter aus. Aluminiumkapseln können über die gelbe Tonne recycelt werden, in Deutschland liegt die tatsächliche Recyclingquote für Aluminiumverpackungen aber nur bei rund 62 Prozent, in Österreich bei 30 Prozent. Kunststoffkapseln landen in der Praxis oft im Restmüll.
Und die neue „kompostierbare” Papierkapsel von Nespresso? Sie ist zertifiziert kompostierbar und darf trotzdem weder in die Biotonne noch in die gelbe Tonne. In Deutschland gehören alle Kaffeekapseln per Gesetz in den Restmüll. In Frankreich und Italien ist das bereits anders geregelt.
Wo der Kaffee herkommt
Kaffee wird fast ausschließlich in Ländern angebaut, in denen Arbeitsrechte und Umweltstandards schwächer reguliert sind als hier. Konventioneller Kaffee aus dem Supermarkt ist günstig, weil die Kosten in den Anbaugebieten anfallen: bei den Farmern, beim Boden, beim Wasser. Bio- und Fairtrade-Siegel sind keine Garantie, aber eine verlässlichere Orientierung als gar kein Siegel. Natürlich wird unser Wunsch nach ethisch korrekten Produkten von den Marketingabteilungen ausgenutzt. Daher sind leider viele Siegel eher Greenwashing, als echte Wegweiser.
Wer bei einer Direct-Trade-Rösterei kauft, die Herkunft und Einkaufspreise transparent kommuniziert und direkt mit den Kooperativen zusammenarbeitet, zahlt mehr pro Kilo. Dieses Mehr landet bei den Farmern: als besserer Lohn, als Investition in Anbaubedingungen, als Grundlage dafür, dass Kinder zur Schule gehen, statt auf dem Feld zu arbeiten. Das ist kein lapidarer Nebeneffekt, sondern der Grund. Solche Röstereien gibt es regional und online.
Welches Gerät zu wem passt
Geräte vergleiche ich hier nicht im Detail. Nur so viel: Wer einmal täglich viel auf einmal trinkt, benötigt keinen Vollautomaten. Eine kleine Herdkanne, eine French- oder Aero-Press, eine Filterkaffeemaschine oder eine kompakte Espressomaschine reicht, ist günstiger in der Anschaffung und benötigt weniger Platz. Wer über den Tag verteilt mehrere Tassen trinkt, fährt mit einem Vollautomaten oder einer Filterkaffeemaschine besser.
Wer tiefer einsteigen will: Eine Siebträgermaschine mit separater Mühle gibt die volle Kontrolle über den Kaffee. Die Einstiegshürde ist höher, der Aufwand ebenfalls. Wer bereit ist, das Handwerk zu lernen, wird mit hoher Kaffeequalität belohnt.
Wer Kaffee mit Milch trinkt: Hafermilch hat sich als Barista-Standard durchgesetzt. Wer grundsätzlich über Milch und Milchalternativen nachdenkt, findet hier eine ausführlichere Einordnung.
Was vom Kaffee übrig bleibt
Bio-Kaffeesatz muss nicht in den Biomüll. Er ist ein erstklassiger Dünger für Pflanzen, die saure Böden mögen. Außerdem neutralisiert er Gerüche im Kühlschrank und lässt sich in selbst gemachter Kosmetik als Peeling einsetzen.
Kein Hochglanz. Kein Druck. Nur was wirklich funktioniert.
Ich schreibe, wenn ich etwas Sinnvolles zu sagen habe. Keinen Lifestyle, keine Schuldgefühle, keine Liste mit 50 Dingen, die du ab sofort anders machen sollst. Nur konkrete Sachen für deinen Haushalt, die ich selbst erprobt habe.
Beim Eintragen gibt es direkt meine kostenlosen Checklisten für Küche & Bad dazu.