Dieses Argument hört man oft, wenn es um den eigenen CO₂-Ausstoß geht: “Die Chinesen sind die viel größeren Umweltverschmutzer. Solange die nichts tun, bringt ja alles nichts”.
In der Soziologie nennt man dieses Phänomen “Verantwortungsdiffusion”. Man hofft einfach darauf, dass irgendjemand anderes die Verantwortung übernehmen wird, um selbst nichts verändern zu müssen. Doch wer so denkt, macht sich selbst zum passiven Opfer der Umstände.
👉 Lese-Tipp: Wenn du verstehen willst, welche psychologischen Tricks uns immer wieder in solche Ausweichmanöver treiben und wie du sie bei dir selbst und in Diskussionen mit anderen entlarvst, schau dir meine Buchrezension: Die Kunst der Ausrede an.
Die Wahrheit über unsere 2 Prozent
Auf den ersten Blick stimmt ein Teil dieser Ausrede sogar: China gehört in absoluten Zahlen zu den größten Verursachern von Treibhausgasen. Deutschland steuert im globalen Vergleich tatsächlich nur einen kleinen Anteil bei, aktuell liegt er unter zwei Prozent der weltweiten Emissionen.
Aber der Schein trügt. Schauen wir uns den Pro-Kopf-Ausstoß an, wendet sich das Blatt: Wir in Deutschland gehören pro Person nach wie vor zur weltweiten Spitzengruppe der Verursacher und liegen weit über dem globalen Durchschnitt. Hinzu kommt unsere historische Verantwortung: Seit Beginn der Industrialisierung hat das flächenmäßig kleine Deutschland einen überproportional großen Anteil an weltweiten Treibhausgasen in die Atmosphäre geblasen. Genau darauf baut unser heutiger Wohlstand auf.
“Aber die Chinesen…” – Ja, sehr gern wie die Chinesen!
Wer heute noch mit dem Finger nach Asien zeigt, hat eine entscheidende Entwicklung verpasst. China vollzieht eine ökologische Kehrtwende in einem Tempo, das kaum ein westliches Land erreicht. Die installierten erneuerbaren Kapazitäten aus Wind- und Solarenergie übersteigen dort mittlerweile die aller fossilen Kraftwerke. Und das zeigt messbare Wirkung: Die energiebedingten CO₂-Emissionen Chinas sind 2025 tatsächlich gesunken.
Das Bild ist nicht ohne Widersprüche: China baut parallel noch immer neue Kohlekraftwerke und bleibt der größte CO₂-Emittent der Welt in absoluten Zahlen. Aber die Richtung stimmt, und das Tempo ist beeindruckend. Zu sagen „Wir machen erst etwas, wenn China anfängt”, ist jedenfalls völlig absurd geworden. China ist längst im Macher-Modus.
Warum Abwarten teuer ist
Immer nur auf die globale Politik zu schauen oder sich am weltweiten Durchschnitt zu orientieren, bringt dir in deinem Alltag keinen Vorteil. Wer abwartet, bleibt freiwillig in der Abhängigkeit: von schwankenden Energiepreisen, der Lebensmittelindustrie und globalen Lieferketten.
Der beste Hebel liegt darin, diese bequeme Ausrede fallen zu lassen, und zwar aus purem Eigeninteresse. Nutze deinen eigenen CO₂-Fußabdruck nicht, um dir ein schlechtes Gewissen einzureden, sondern als Startpunkt in persönliche Unabhängigkeit. Denn fast alles, was deinen Ausstoß senkt, senkt auch deine täglichen Ausgaben.
Mach dich selbst wirksam
Fokussiere dich auf das, was du heute in deinen eigenen vier Wänden kontrollieren kannst. Wer Dinge repariert, Vorratsgläser umnutzt, einfache Putzmittel selbst anmischt oder einen aktiven Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leistet, entzieht sich dem Konsumzwang und profitiert sofort davon.
Sobald du aufhörst, die Verantwortung auf andere zu schieben, bist du der Industrie einen großen Schritt voraus. Konkrete Startpunkte findest du in meiner Liste der effektivsten Tipps, um CO₂ einzusparen.