Am Earth Overshoot Day oder Erdüberlastungstag ist das weltweite Jahresbudget an erneuerbaren Ressourcen rechnerisch aufgebraucht. Ab diesem Tag leben wir so, als könnten wir dauerhaft mehr aus der Erde holen, als innerhalb eines Jahres nachwächst. Dieses Datum rutscht von Jahr zu Jahr immer weiter nach vorn, jetzt haben wir Ende Juli erreicht.
Der Tag ist kein Urteil über einzelne Menschen, aber er zeigt ziemlich klar, dass unser Verbrauch in Summe zu hoch ist. Gerade deshalb eignet er sich als Anlass, den eigenen Alltag zu überprüfen.
Insbesondere, weil der deutsche Erdüberlastungstag noch viel früher im Jahr stattfindet. Zuletzt war es Anfang Mai. Würden alle Menschen auf der Erde so leben, wie wir in Deutschland, wären die erneuerbaren Ressourcen also schon im Mai aufgebraucht. Das verdeutlicht die große Verantwortung, die wir haben.
Schuldzuweisung hilft nicht weiter
Sobald das Thema auftaucht, hören viele sofort eine Schuldzuweisung. Dann wird abgeblockt, relativiert oder auf andere gezeigt.
Das ändert nichts daran, dass Konsum in unserem Wirtschaftssystem Nachfrage schafft und damit Produktion, Transport, Flächenverbrauch und Energieeinsatz antreibt. Die moralische Keule führt uns hier jedoch nicht weiter.
Wer sich fragt, warum das Argument „Die anderen verursachen doch viel mehr“ nicht trägt, findet die Antwort im Artikel Deutschland verursacht nur 2% des CO₂-Ausstoßes.
Warum der Jutebeutel nicht reicht
Ein Jutebeutel ist nicht falsch. Aber er ist auch kein Gegengewicht zu häufigem Fliegen, viel Autofahren oder einer Heizung, die unnötig viel Energie verbraucht.
Auch sollten die kleinen Dinge, die ökologisch sinnvoll sind, nicht als Ausrede für die großen Hebel dienen. Das ist keine ernsthafte Entlastung, sondern Selbstberuhigung. So ist Mülltrennung zum Beispiel sinnvoll. Sie ersetzt aber keine Entscheidung bei den großen Posten.
Die großen Hebel: Wohnen, Mobilität, Ernährung
Wenn man ehrlich sortiert, liegen die größeren Hebel bei Wohnen, Mobilität und Ernährung. Dazu gehören weniger oder kein Fliegen, weniger Auto, mehr Fahrrad und ÖPNV, ein sparsameres Heizsystem, bessere Dämmung, mehr Ökostrom und weniger Fleisch auf dem Teller.
Wer beim eigenen CO₂‑Ausstoß ansetzen will, findet eine erste Orientierung im Artikel zum CO₂‑Fußabdruck und konkrete Einzelmaßnahmen in der Liste der 20 effektivsten Tipps, um CO₂ einzusparen.
Beim Thema Ernährung lohnt sich ein Blick auf saisonales Essen und auf Fleischkonsum und -produktion.
Kleine Hilfen, die trotzdem zählen
Auch weniger neu kaufen, reparieren, Dinge länger nutzen und Lebensmittelverschwendung senken gehören dazu, weil sich dort Verbrauch und Abfall an mehreren Stellen zugleich verringern lassen. Mehr dazu im Artikel Welchen Beitrag wir zur Kreislaufwirtschaft leisten können und in Wie wir Lebensmittelverschwendung vermeiden.
Es geht nicht darum, plötzlich perfekt zu leben. Niemand rettet die Welt, nur weil er keine Blaubeeren aus Chile kauft. Aber es ist eben auch nicht egal, ob man solche Dinge weiter gedankenlos kauft oder bewusst weglässt.
Der berühmte springende Punkt liegt dazwischen: ehrlich auf die großen Hebel schauen und die kleinen Hilfen nicht mit den eigentlichen Stellschrauben verwechseln.
Realitätscheck statt Verbotsschild
Der Earth Overshoot Day macht sichtbar, dass unser heutiger Lebensstil über den verfügbaren Ressourcen liegt. Er ist damit kein Verbotsschild, sondern ein guter Moment für einen Realitätscheck.
Wer das ernst nimmt, landet fast automatisch bei den Fragen, die wirklich zählen: Wie viel fliegen, wie heizen, wie wohnen, wie ernähren, wie konsumieren?
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