Warmes Wasser, ein Spritzer Spüli und ein Schuss Essig. Das war mein Rezept, jahrelang, und ich hatte keinen Grund, daran zu zweifeln. Die Fenster sahen sauber aus, und “sauber genug” ist für die meisten von uns völlig okay. Trotzdem lohnt sich ein zweiter Blick, nicht weil das Ergebnis dramatisch anders aussieht, sondern weil mein selbst gemachter Reiniger günstiger ist, keine neue Plastikflasche gekauft werden muss und die Scheibe tatsächlich etwas länger sauber bleibt.
Was am Spüli-Rezept nicht stimmt
Es ist keine komplett falsche Idee, aber eine unvollständige. Spüli enthält Tenside, die Fett und Schmutz binden. Genau dafür ist es gemacht. Am Glas aber bleibt ein hauchdünner Film dieser Tenside zurück, der beim nächsten Putzen oder wenn die Sonne schräg draufscheint als Schliere sichtbar wird. Ein Tropfen Spüli ist schon einer zu viel.
Essig hilft beim Kalk und kann den Tensidfilm teilweise ausgleichen. Bei hartem Leitungswasser macht er Sinn, und der Geruch ist weg, sobald die Scheibe trocken ist. Trotzdem fehlt noch etwas: Alkohol. Der verdunstet so schnell, dass sich gar keine Schlieren bilden können. Spüli und Wasser reinigen den Schmutz weg, aber das Wasser trocknet langsam, und was dabei zurückbleibt, sieht man.
Meine Empfehlung: Das Spüli weglassen. Essig für den Kalk behalten. Alkohol dazu. Fertig ist ein Reiniger, der nichts zurücklässt.
Was ein selbst gemachter Reiniger besser macht
Er setzt auf genau drei Funktionen:
- Eine Komponente, die Fett löst
- Eine Komponente, die Kalk angreift
- Ein Träger, der rückstandsfrei verdunstet
Wer meinen selbst gemachten Klarspüler kennt, hat das Schwierigste schon getan. Er erfüllt gleich zwei dieser Funktionen. Für Variante A auf Basis meines Klarspülers benötigt man dann genau noch eine weitere Zutat: abgekochtes Leitungswasser. Zwei Zutaten, fertig. Variante B für alle, die den Klarspüler gerade nicht da haben, kommt mit drei Zutaten aus.
Das Tuch entscheidet mit
Das Mikrofasertuch hat jahrelang als Goldstandard gegolten. Aus gutem Grund, die Tücher haben aber auch eine Kehrseite: Bei jedem Waschgang verlieren sie Kunststofffasern, die ungefiltert ins Abwasser gelangen. Wer noch welche hat, sollte sie aufbrauchen. Beim nächsten Kauf lohnt sich der Blick auf Naturmaterialien.
Ausführlich habe ich mich hier mit den Mikrofasertüchern beschäftigt.
Was ich selbst getestet habe:
- Altes Leinen (Geschirrhandtücher aus Omas Schrank): Fusselt nicht, poliert auf Hochglanz. Mein Favorit fürs Nachwischen.
- Normales Baumwolltuch (altes T-Shirt): Saugt sich schnell voll und schiebt Schmutz eher um, als ihn aufzunehmen. Geht zur Not, ist aber nicht ideal.
- Waffelpikee aus Baumwolle: Die dreidimensionale Wabenstruktur vergrößert die wirksame Tuchfläche erheblich. Die erhabenen Stege nehmen Flüssigkeit auf, die vertieften Täler nehmen Schmutzpartikel mit, statt sie zu verreiben. Trocknet streifenfrei.
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