Ich schminke mich fast nie. Wenn doch, reichen Wasser, Seife und ein Handtuch. Mizellenwasser hatte ich trotzdem irgendwann mal im Bad. Warum, weiß ich heute nicht mehr. Geholfen hat es mir nicht besonders. Jetzt weiß ich, woran das lag.
Was Mizellen wirklich sind
Mizellenwasser klingt nach Technologie. Ist es aber nicht. Mizellen entstehen immer dann, wenn Tenside in Wasser gegeben werden, so wie beim normalen Seifenwasser. Der wasserabweisende Teil des Tensid-Moleküls dreht sich nach innen, der wasserfreundliche nach außen. Das ergibt ein winziges Kügelchen, das Fett und Make-up einschließt und beim Abwischen mitnimmt. Das Prinzip ist so alt wie Seife.
Was Mizellenwasser von normalem Seifenwasser unterscheidet, ist nicht die Physik, sondern die Tensidqualität. Gute Produkte verwenden milde, pflanzliche Tenside. Viele Drogerieprodukte setzen dagegen auf PEG-Derivate, Stoffe auf Erdölbasis, die die Haut durchlässiger machen, und damit können auch unerwünschte Inhaltsstoffe wie Konservierungsstoffe oder Duftstoffe tiefer ins Gewebe ziehen.
Das verschwiegene Problem
Mizellenwasser wird oft als Produkt vermarktet, das man nicht abspülen muss. Das ist praktisch, aber nicht folgenlos. Tenside, die auf der Haut bleiben, können den natürlichen Schutzfilm angreifen, den die Haut selbst produziert. Dieser Fettfilm hält Feuchtigkeit drin und Bakterien sowie Schadstoffe draußen. Ist er gestört, reagiert die Haut oft mit Trockenheit, Spannungsgefühl oder Rötungen. Dermatolog*innen empfehlen deshalb, Mizellenwasser danach mit klarem Wasser abzuwaschen, was den praktischen Vorteil des Produkts ziemlich relativiert.
Für wen es trotzdem sinnvoll ist
Wer ein Naturkosmetik-Mizellenwasser mit milden Tensiden verwendet und es danach abwäscht, bekommt ein funktionierendes Produkt. Besonders für empfindliche oder zu Rötungen neigende Haut kann das eine Option sein. Das Problem ist nicht das Prinzip, sondern was man für ein eher schlichtes Produkt zahlt und was das Marketing daraus macht.
Selbst herstellen
Mizellenwasser lässt sich recht einfach selbst herstellen. Das Grundrezept: destilliertes Wasser oder ein Hydrolat (Kamille, Rose oder Kornblume gibt es im Reformhaus oder in der Apotheke), Glycerin, Aloe Vera Gel und ein mildes pflanzliches Tensid wie Decylglucosid. Mit einem Konservierungsmittel hält es zwei bis drei Monate, ohne nur wenige Tage im Kühlschrank.
Was stattdessen funktioniert
Wer starkes Make-up trägt und eine günstige, unkomplizierte Lösung sucht, kommt mit einem pflanzlichen Öl weiter. Öl löst auch wasserfeste Mascara und Foundation, ohne Tenside auf der Haut zu hinterlassen, und kostet einen Bruchteil. Wie das konkret funktioniert und welches Öl zu welchem Hauttyp passt, steht in meinem Artikel zum Abschminken.
Kein Hochglanz. Kein Druck. Nur was wirklich funktioniert.
Ich schreibe, wenn ich etwas Sinnvolles zu sagen habe. Keinen Lifestyle, keine Schuldgefühle, keine Liste mit 50 Dingen, die du ab sofort anders machen sollst. Nur konkrete Sachen für deinen Haushalt, die ich selbst erprobt habe.
Beim Eintragen gibt es direkt meine kostenlosen Checklisten für Küche & Bad dazu.