Eine Freundin sagte mir: „Dein Tipp mit den Abschmink-Pads ist ja ganz toll, aber bei mir funktioniert das nicht. Ich trage mehrschichtiges Make-up, da komme ich mit einem selbst genähten Pad nicht weit.” Sie hat recht. Und sie hat mich dazu gebracht, meinen Artikel noch einmal neu zu denken.
Denn das eigentliche Thema sind nicht die Pads. Das Thema ist: Was brauchst du wirklich, um dich gründlich abzuschminken? Und was davon musst du tatsächlich kaufen?
Was die Industrie daraus gemacht hat
Abschminkwasser, Mizellenwasser, Bi-Phase-Reiniger, Reinigungsmilch, Augenmake-up-Entferner extra, Lippenmake-up-Entferner extra. Jedes Produkt mit eigenem Versprechen, eigener Flasche, eigenem Preisschild. Wer das konsequent kauft, gibt im Jahr leicht 80 bis 100 Euro allein fürs Abschminken aus, dazu noch die Einweg-Pads. Wer sich täglich schminkt und abschminkt, verbraucht im Schnitt rund 1.500 Einweg-Pads pro Jahr. Auf alle Frauen in Deutschland hochgerechnet sind das über 60 Milliarden Stück jährlich. Das ist kein Zufall, sondern ein Geschäftsmodell.
Was tatsächlich funktioniert
Pflanzliche Öle lösen Make-up nach einem einfachen Prinzip: Öl löst Öl. Auch wasserfeste Mascara, Lipliner und mehrschichtige Foundation lassen sich damit ohne starkes Reiben entfernen. Das funktioniert mit Olivenöl, Mandelöl oder Kokosöl aus der Küche. Du musst nichts extra kaufen und sparst all die Verpackungen der Abschminkprodukte.
So geht es: Öl auf trockener Haut einmassieren, auch über die geschlossenen Augen. Dann einen Waschlappen oder ein wiederverwendbares Pad mit warmem Wasser tränken, auswringen und sanft abwischen. Die Wärme löst das Öl zusammen mit dem Make-up, kein Ölfilm bleibt zurück. Wer viel Make-up trägt, nimmt erst die Hauptmasse grob mit einem Pad oder Lappen ab, und nutzt dann das Öl für den Rest.
Die Pads
Wiederverwendbare Abschminkpads aus Bio-Baumwolle reichen für die meisten völlig aus. Wer selbst nähen möchte, macht sie aus alten Textilien, z. B. einem Baumwoll-T-Shirt.
Einen Haken haben wiederverwendbare Pads, egal ob gekauft oder selbst genäht, allerdings: Wer Kosmetik mit Mikroplastik verwendet, wäscht dieses beim Waschen der Pads oder Lappen ins Abwasser. Klärwerke filtern Mikroplastik bisher nicht zuverlässig heraus, es landet im Wasserkreislauf.
Die sauberste Lösung ist ein selbst genähtes Pad aus alten Textilien, kombiniert mit Kosmetik ohne Mikroplastik. Ein gekauftes, wiederverwendbares Pad ist bereits ein Kompromiss, aber immer noch deutlich besser als Einweg. Wer trotzdem beim Einweg bleibt, nimmt bitte Bio-Baumwolle.
Mit der App CodeCheck kannst du übrigens direkt im Laden prüfen, ob deine Kosmetik Mikroplastik enthält.
Feuchte Reinigungstücher
Wer zum Abschminken feuchte Reinigungstücher verwendet, greift zur schlechtesten Option. Rund 90 Prozent aller Feuchttücher enthalten Kunststoff, überwiegend in Form von PET-Fasern. Sie sind nicht biologisch abbaubar und gehören ausnahmslos in den Restmüll, nicht in die Biotonne und auf keinen Fall ins Klo, wo sie Leitungen verstopfen. Ökotest hat einzelne Produkte zwar als hautverträglich eingestuft, aber auch klar geurteilt: umweltfreundlich sind sie grundsätzlich nicht.
Weitere Apps rund um Kosmetik und Körperpflege findest du hier.
Welches Öl zu welchem Hauttyp passt, wie du dir in wenigen Minuten dein eigenes Reinigungsöl mischst und wie du es aufbewahrst, folgt im nächsten Abschnitt.
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