Wer Cremes und Salben selbst herstellt, weiß genau, was auf der Haut landet. Das ist der eigentliche Grund, warum es sich lohnt. Dazu kommt: Selbst hergestellte Naturkosmetik lässt sich auf die eigene Haut abstimmen, auf Jahreszeiten, auf Unverträglichkeiten. Und sie ist günstiger als vergleichbare Naturkosmetik aus dem Handel oder der Apotheke.
Ich habe das besonders bei Heilsalben gemerkt. Die Kräuter dafür, Ringelblumen, Spitzwegerich, Efeu oder Johanniskraut für ein Rotöl, wachsen bei mir im Garten. Das verändert den Zugang zu dem, was man auf die Haut aufträgt. Wer keinen Garten hat: Getrocknete Kräuter und fertige Kräuterölauszüge gibt es in Apotheken, Drogerien oder online. Der Einstieg funktioniert damit genauso gut.
Grundausstattung Rohstoffe
Der größte Stolperstein beim Einstieg ist nicht die Technik, sondern die schiere Menge an Rohstoffen, die es gibt. Wer anfängt, alle interessanten Öle, Butter und Wirkstoffe zu kaufen, gibt schnell viel Geld aus und verliert den Überblick. Besser: klein anfangen, das Prinzip verstehen, dann schrittweise erweitern.
Die notwendigen Geräte habe ich bereits beschrieben. Hier geht es um die Rohstoffe.
Für den einfachen Start
- Basisöl: Mandel- oder Jojobaöl
- Butter: Sheabutter für die Rückfettung, alternativ Kakao- oder Mangobutter
- Wachs: Bienenwachs, am besten vom Bio-Imker, alternativ als Plättchen. Wer vegan arbeitet: Candelillawachs ist die beste Alternative, es ist etwas härter als Bienenwachs, daher weniger nehmen (Faustregel: 80% der angegebenen Bienenwachsmenge). Wollwachs (Lanolin) macht Salben weicher, ist aber nicht vegan.
- Emulgator: Emulsan, pflanzlich, PEG-frei und ECOCERT-konform. Für Einsteigerinnen die unkomplizierteste Wahl.
- Konservierer: Biokons WT oder ein anderer ECOCERT-konformer Konservierer. Für Cremes mit Wasserphase nicht optional.
- Wasserphase: Destilliertes Wasser oder ein Hydrolat wie Rosenwasser
- Optional: Ätherische Öle. Sie können in jedem Rezept weggelassen werden. Wenn du sie verwendest, achte auf Kosmetikqualität, nicht auf Raumbeduftungsöle.
Wo du diese Rohstoffe bekommst und was ich selbst empfehle, habe ich in der großen Einkaufsliste in meiner Werkstatt zusammengestellt. Als Werkstatt-Mitglied hast du vollen Zugriff auf diese Liste.
Cremes oder Salben?
Cremes enthalten neben Ölen und Fetten auch Wasser und benötigen deshalb einen Emulgator, der beide Phasen verbindet. Sie spenden mehr Feuchtigkeit als Salben.
Salben werden auf reiner Ölbasis hergestellt, ohne Wasserphase und ohne Emulgator. Sie verbleiben länger auf der Haut, was sie besonders für heilende Anwendungen geeignet macht: Wirkstoffe können länger einwirken.
Ein Hinweis zur Hygiene
Selbst hergestellte Naturkosmetik enthält wenig oder keine Konservierungsmittel. Das bedeutet: Alle Geräte und Behälter müssen nicht nur sauber, sondern desinfiziert sein. Hände waschen, Arbeitsfläche reinigen, Gläser und Löffel mit Alkohol abwischen oder abkochen. Auch wenn es zur Routine wird: Dieser Schritt darf nicht vernachlässigt werden.
Mengen und Einheiten
In Rezepten wechseln Volumen- und Gewichtsangaben oft. Eine Feinwaage ist das genaueste und einfachste Werkzeug. Für Wasser gilt: 10 ml = 10 g. Bei Ölen musst du umrechnen: 10 ml Öl wiegen 9 g. Multipliziere Volumenangaben bei Öl also mit 0,9, um das Gewicht zu erhalten.
Basisrezept Gesichtscreme
Ergibt 50 g Creme für einen mittleren Tiegel oder ein kleines Schraubglas.
Zutaten
- 13,5 g Basisöl, z. B. Mandelöl
- 2 g Sheabutter
- 3 g Emulsan
- 31,5 g destilliertes Wasser oder Rosenwasser
- 0,5–1 g Biokons WT (oder anderer ECOCERT-konformer Konservierer)
- 2–3 Tropfen ätherisches Öl (optional)
Anleitung
- Öl, Sheabutter und Emulsan in einem hitzebeständigen Glas im Wasserbad auf ca. 65–70 °C erwärmen, bis alles vollständig aufgeschmolzen ist (Fettphase).
- Destilliertes Wasser in einem zweiten Glas auf die gleiche Temperatur bringen (Wasserphase). Beide Phasen müssen dieselbe Temperatur haben, damit der Emulgator funktioniert.
- Wasserphase langsam in die Fettphase gießen und 2–3 Minuten mit dem Milchschäumer oder einem kleinen Schneebesen aufschlagen.
- Beim Abkühlen regelmäßig umrühren, damit sich keine Krissel bilden. Das sind kleine Kristalle, die entstehen, wenn Sheabutter zu schnell abkühlt. Kosmetisch harmlos, sehen aber unschön aus.
- Wenn die Creme auf unter 40 °C abgekühlt ist, Biokons und ätherisches Öl einrühren.
- In den Tiegel füllen und offen erkalten lassen, damit sich kein Kondenswasser bildet.
- Tiegel mit Inhalt und Datum beschriften.
Haltbarkeit: Mit Konservierer kühl und dunkel mehrere Wochen. Ohne Konservierer im Kühlschrank maximal 2–3 Wochen, dann lieber kleinere Mengen ansetzen.
Basisrezept Salbe
Eine Salbe ist einfacher herzustellen als eine Creme, weil es keine Wasserphase gibt.
Zutaten
- 45 g Öl, z.B. Rotöl aus Johanniskrautblüten
- 5 g Bienenwachs, alternativ 15 g Sheabutter und 2 g Bienenwachs
Anleitung
- Öl und Bienenwachs im Wasserbad auf ca. 60–70 °C erwärmen und umrühren, bis das Wachs vollständig geschmolzen ist.
- Konsistenz prüfen: Einen kleinen Klecks auf einen kalten Teller geben und abkühlen lassen, ähnlich wie beim Geliertest bei Marmelade. Zu fest? Etwas Öl ergänzen. Zu flüssig? Etwas mehr Wachs oder Sheabutter dazu.
- Unter 40 °C abkühlen lassen, dann ätherisches Öl einrühren, wenn gewünscht.
- In Tiegel füllen, offen erkalten lassen, beschriften.
Haltbarkeit: Da eine Salbe keine Wasserphase enthält, ist sie deutlich länger haltbar als eine Creme. Kühl und dunkel gelagert mehrere Monate.
In meinem Sparbuch findest du noch ein Rezept für eine schnell gerührte Ringelblumen-Salbe gegen rissige Haut, kleine Kratzer oder trockene Stellen. Dazu gibt es noch Etiketten zum Ausdrucken und eine Rezeptkarte für dein Smartphone, damit du Zutaten und Anleitung in der Küche und beim Einkaufen immer dabei hast.
Wie weiter?
Mit diesen beiden Basisrezepten lernst du, wie Fett- und Wasserphase zusammenarbeiten und was den Unterschied zwischen Creme und Salbe ausmacht. Von hier aus ergibt sich der Rest von selbst: andere Öle, andere Butter, Wirkstoffe wie Ringelblumenextrakt oder Hyaluron, andere Hydrolate.
Einen Tipp noch, besonders wenn du empfindliche Haut hast oder Cremes für andere Menschen herstellst: Schreib dir genau auf, welche Zutaten du in welcher Dosierung verwendet hast. Wenn es zu einer Unverträglichkeit kommt, kannst du nachvollziehen, welcher Stoff der Auslöser war.
Webseiten, die dir weiterhelfen
Jules Moody: Julia bietet nicht nur tolle Inhalte auf ihren Webseiten, du kannst auch regelmäßig an ihren Kursen teilnehmen. So lernst du Schritt für Schritt in einer wertschätzenden Atmosphäre. Mir haben die Kurse immer sehr gut gefallen.
Olionatura: Heike Käser gehört seit Jahren zu den empfehlenswerten Expertinnen für Naturkosmetik. Ich lande immer wieder auf ihren Seiten und profitiere von ihrem Wissen.
Heikes Werkstatt: mehr solcher Anleitungen.
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