Sich im Alltag bewusster zu verhalten macht zufrieden, ist oft gesünder und macht, wenn man erstmal anfängt, auch Spaß. Trotzdem stellt sich irgendwann die Frage: Bringt das überhaupt etwas? Ist der Stoffbeutel beim Einkaufen oder das kurze Duschen mehr als ein gutes Gefühl?
Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, was du tust.
Unser CO₂-Fußabdruck
Der durchschnittliche CO₂-Fußabdruck in Deutschland liegt deutlich über dem weltweiten Schnitt. Wir stoßen pro Person mehr als doppelt so viel aus wie der globale Durchschnitt. Um das Pariser Klimaabkommen einzuhalten, müsste dieser Wert massiv sinken.
Das ist eine große Zahl. Und genau deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen, welche Maßnahmen wirklich etwas bewirken.
CO₂ einsparen: was wirkt?
Ich hatte oben gefragt, ob unsere Veränderungen überhaupt etwas bringen angesichts dieser großen Zahlen.
Die kurze Antwort: Ja. Aber nicht jede Maßnahme wirkt gleich stark. Also habe ich einmal geschaut, welche persönlichen Maßnahmen besonders stark auf den eigenen CO₂-Fußabdruck wirken, grob sortiert nach Wirksamkeit, von groß nach klein.
Die Wirkungsangaben sind Näherungswerte und schwanken je nach Studie und persönlicher Situation. Was zählt, ist die Größenordnung und die Erkenntnis, dass manche Maßnahmen zehnmal so viel bewirken wie andere.
| Maßnahme | Wirkung | Hinweis |
|---|---|---|
| Umstieg auf pflanzliche Ernährung | sehr hoch | Weniger Fleisch und Milch hat den größten Einzeleffekt auf den persönlichen CO₂-Fußabdruck. |
| Weniger oder keine Kurzstreckenflüge | hoch | Pro vermiedenem Flug einer der größten Hebel. |
| Fahrrad oder ÖPNV statt Auto | hoch | Regelmäßige Nutzung wirkt deutlich stärker als gelegentliche. |
| Ökostrom | hoch | Einfach umzustellen, dauerhafter Effekt. |
| Haus gut dämmen | hoch | Hohe Anfangsinvestition, aber langfristig einer der stärksten Hebel. |
| Raumtemperatur senken | mittel | Schon ein Grad weniger macht einen spürbaren Unterschied. |
| Energieeffiziente Geräte | mittel | Besonders beim Kauf neuer Geräte relevant. |
| Carsharing statt eigenem Auto | mittel | Reduziert den Bedarf an Neuwagen. |
| E-Fahrzeug statt Verbrenner | mittel | Abhängig vom Strommix. |
| Niedertouriges Fahren | gering bis mittel | Spritsparen durch frühzeitiges Schalten. |
| Regional und saisonal einkaufen | gering | Kurze Transportwege senken Emissionen. |
| Lebensmittelverschwendung reduzieren | gering | Weniger Wegwurf bedeutet weniger Produktion. |
| Gebrauchte Kleidung kaufen | gering | Die Produktion neuer Kleidung ist energieintensiv. |
| Energiesparlampen und LED | gering | Einfach, günstig, sofortige Wirkung. |
| Plastikverbrauch reduzieren | gering | Indirekter Effekt über Produktion und Entsorgung. |
| Sparduschköpfe | gering | Wasser und Energie sparen kombiniert. |
| Fahrgemeinschaften | gering | Einfach umsetzbar, summiert sich. |
| Konsum insgesamt reduzieren | gering | Weniger kaufen bedeutet weniger produzieren lassen. |
| Photovoltaik installieren | gering bis mittel | Einmaliger Aufwand, langfristige Wirkung. |
Die Wirkungsangaben sind Näherungswerte und schwanken je nach Studie und persönlicher Situation.
Was diese Liste uns zeigt
Die großen Brocken sind Ernährung, Mobilität und Heizen. Wer dort ansetzt, bewirkt mehr als durch alle kleinen Maßnahmen zusammen. Das ist keine schlechte Nachricht, sondern eine hilfreiche.
Dazu kommen Effekte, die sich nicht in CO₂ messen lassen: Eine pflanzlichere Ernährung ist meist gesünder. Weniger Konsum bedeutet mehr Geld in der Tasche. Wer das Fahrrad nimmt, bewegt sich mehr. Bewussteres Verhalten hat fast immer mehrere Vorteile gleichzeitig.
Von Umweltsünden freikaufen
Was uns so eine Übersicht auch zeigt: Kleine Maßnahmen ersetzen keine großen.
„Ich soll auf Fleisch verzichten? Ich trenne doch schon Müll.”
Das ist ein beliebter Selbstbetrug. Ein paar leicht umzusetzende Maßnahmen mit wirkungsvollen gleichzusetzen, damit wir uns als nachhaltig empfinden können, bewirkt nichts außer einem guten Gewissen.
„Viermal im Jahr fliege ich nach Malle, aber ich kompensiere das mit Atmosfair.”
Wenn der Flug stattgefunden hat, sind CO₂ und Wasserdampf in der Atmosphäre. Kompensationszahlungen holen das nicht zurück. Am Boden bleiben ist die einzige wirksame Alternative.
Wenn dich das Thema Ausreden interessiert: Die Buchrezension zu „Die Kunst der Ausrede” von Thomas Brudermann lohnt sich.
Bei den kleinen Maßnahmen aus der Liste lässt sich übrigens mehr tun, als die Wirkungszahlen vermuten lassen. Nämlich gleichzeitig Chemie, Geld und Aufwand sparen. Darum geht es in der Werkstatt.