Palmöl gilt als Umweltsünde. Ein Ersatz mit anderen Pflanzenölen ist aber auch keine gute Idee. Was können wir also tun?
Palmöl ist extrem in Verruf geraten, und doch steigt der Konsum weltweit unaufhaltsam an. Deutschland zählt zu den größten Palmölverbrauchern Europas.
In fast der Hälfte aller Supermarktprodukte versteckt
Palmöl befindet sich überall: in Lebensmitteln wie Nuss-Nougat-Cremes, Schokolade, Tütensuppen, Toast, Zwieback, Müsli oder Margarinen. Auch industriell hergestellte Fertigprodukte wie Fertigpizza, Kohlroulade und sogar Babynahrung oder Geflügelwurst enthalten es. Und wer Diesel fährt, tankt es unter Umständen sogar mit.
Zwar muss Palmöl bei Lebensmitteln seit 2014 namentlich in der Zutatenliste aufgeführt werden, doch die Industrie trickst gerne. Als Sonnenblumenöl vor einiger Zeit aufgrund globaler Lieferengpässe knapp wurde, lockerte man die Deklarationsvorschriften. Viele Hersteller streckten ihre Produkte wie Pommes oder Chips mit dem günstigeren Palmöl und änderten die Rezepturen später oft heimlich nicht wieder zurück. Ein Grund mehr, so viel wie möglich selbst zu kochen!
Noch schwieriger ist die Vermeidung bei Pflege- und Reinigungsmitteln oder Kosmetik. Hier wird Palmöl gerne hinter chemischen Fachbegriffen wie Cetyl, Laurate, Palm Kernel Alcohol, Sodium Palmate oder Palmitate versteckt. An Transparenz ist hier kaum zu denken.
Warum Palmöl so problematisch ist
Für die Produktion von Palmöl wird insbesondere in Südostasien massiv wertvoller Regenwald abgeholzt und durch Monokulturen ersetzt. Malaysia und Indonesien teilen sich rund 85 Prozent der Weltproduktion. Millionen Hektar Regenwald, für die Natur und die dort lebenden bedrohten Tierarten wie den Orang-Utan, für immer verloren.
Hinzu kommen verheerende Arbeitsbedingungen auf den Plantagen, schwere Vergiftungen durch Pestizide und Ölmühlen, die mit ihren Abwässern die umliegende Umwelt zerstören.
Warum ein einfacher Wechsel keine Lösung ist
Man könnte nun meinen, die Lösung bestünde einfach darin, Palmöl durch Kokosöl, Rapsöl oder Sojaöl zu ersetzen. Doch das löst das Problem nicht, im Gegenteil: Kein anderes Pflanzenöl kann so effizient angebaut werden. Pro Quadratmeter liefert die Ölpalme mehr Öl als alle anderen Ölpflanzen zusammen. Würden wir den weltweiten Bedarf mit anderen Pflanzenölen decken wollen, bräuchten wir ein Vielfaches an landwirtschaftlicher Fläche.
Auch das RSPO-Siegel, das „nachhaltig” produziertes Palmöl kennzeichnen soll, ist kein verlässlicher Schutz. Greenpeace hat nachgewiesen, dass auch RSPO-zertifizierte Betriebe Plantagen in geschützten Waldgebieten betreiben. Das Siegel ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber kein Freifahrtschein.
Zudem bestreiten viele Kleinbauern mit dem Anbau ihren Lebensunterhalt. Ein pauschaler Boykott würde auch sie hart treffen.
4 Wege, wie wir Palmöl im Alltag reduzieren
Die Politik muss zwingend die Weichen für einen nachhaltigen Anbau stellen. Doch auch wir können aktiv eingreifen und Produkte mit konventionellem Palmöl aus unserem Alltag verbannen:
1. Selbermachen statt Fertigprodukte kaufen
Verzichte so gut es geht auf stark verarbeitete Lebensmittel und Fertigpizzen. Wer selbst mit regionalen Zutaten kocht, weiß genau, welches Öl in der Pfanne landet.
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2. Kosmetik einfach selbst anrühren
Da sich Palmöl in Duschgels und Cremes hinter unleserlichen Fachbegriffen versteckt, entziehst du dich dem System am besten, indem du das Zepter selbst in die Hand nimmst. Wer noch nicht so weit ist, findet in meiner App-Übersicht für Kosmetik und Reinigungsmittel hilfreiche Tools zum Scannen von Produkten.
👉 Lese-Tipp: Mit wenigen Zutaten kannst du dir deine palmölfreie Deocreme ganz einfach selber machen.
3. Reiniger ohne Chemiecocktails mischen
Das Gleiche gilt für unsere Putz- und Waschmittel. Auch hier ist Palmöl allgegenwärtig.
👉 Lese-Tipp: Erfahre hier, wie du dir dein Waschmittel supereinfach selber machen kannst, um Geld, Verpackungsmüll und Palmöl zu sparen!
4. Produkte beim Einkaufen direkt prüfen
Wer nicht jede Zutatenliste auswendig kennen will, kann Produkte einfach scannen. In meiner App-Übersicht rund ums Einkaufen findest du die besten kostenlosen Tools dafür.
Wer tiefer einsteigen will oder Fragen hat: In Heikes Werkstatt tauschen wir uns genau über solche Themen aus.